Smart-Home-Kamera sicher einrichten: Die Checkliste nach BSI

von The Mobile ScoutAktualisiert November 20263 Min. Lesezeit
Auf einen Blick
Für wen
Alle mit vernetzter Kamera, Video-Türklingel oder Babyphone
Wichtigster Schritt
Standardpasswort ändern, Zwei-Faktor an
Vor dem Kauf
Update-Dauer und IT-Sicherheitskennzeichen prüfen
Netzwerk
Kamera in ein eigenes WLAN, z. B. Gast-WLAN
Neu
EU-Cyberresilienzgesetz: volle Pflichten ab 11.12.2027

Eine vernetzte Kamera soll dein Zuhause schützen. Ist sie schlecht gesichert, passiert das Gegenteil: Fremde sehen mit, wann du zuhause bist. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt, dass Angreifer über schwache Passwörter oder fehlende Verschlüsselung an die Kamera und sogar an dein WLAN-Passwort kommen können (BSI – Smarte Überwachungskameras). Mit dieser Checkliste machst du es ihnen schwer. Sie gilt genauso für Video-Türklingeln und Babyphones mit App.

Was bei einer gehackten Kamera passieren kann

  • Dein Alltag wird sichtbar: Mitgeschnittene Bilder verraten, wann du kommst und gehst.
  • Fremde übernehmen die Kamera: Angreifer können sie schwenken oder abschalten.
  • Der Angriff geht weiter: Ist die Kamera mit Licht oder Heizung verbunden, können auch diese Geräte manipuliert werden (BSI).

Vor dem Kauf: darauf achten

Das BSI empfiehlt, schon vor dem Kauf diese Fragen zu klären:

  • Wie lange gibt es Updates? Ohne Sicherheitsupdates bleiben bekannte Lücken offen.
  • Lokal oder Cloud? Aufnahmen können auf einer Speicherkarte bzw. einem NAS zuhause oder in der Cloud des Herstellers landen. Prüfe bei der Cloud, wo und unter welchen Bedingungen die Daten liegen.
  • Verschlüsselte Übertragung: Die Kamera sollte Bild und Ton verschlüsselt übertragen.
  • Welche Daten werden wann erfasst? Nur bei einem Auslöser oder dauerhaft?
  • Lässt sich die Kamera einfach vom Internet trennen?
  • Welche Zusatzfunktionen brauchst du wirklich? Gegensprechfunktion oder Tonaufnahme erzeugen zusätzliche Daten.
  • Welche Rechte will die App? Standort oder Kontakte braucht eine Kamera-App meist nicht.
  • IT-Sicherheitskennzeichen des BSI: Der QR-Code auf dem Etikett führt zu einer BSI-Seite mit den Sicherheitsangaben des Geräts. Bisher tragen es allerdings nur wenige Geräte.

Beim Einrichten: die fünf wichtigsten Schritte

  1. Standardpasswort ändern: Vergib ein starkes, eigenes Passwort für Kamera und Konto. Schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein, wenn die App sie anbietet. Wie das geht, zeigen wir in unserem Artikel zu Passkeys und Zwei-Faktor.
  2. Fernzugriff nur bei Bedarf: Brauchst du das Bild unterwegs nicht, lass die Kamera nur im Heimnetz laufen.
  3. Eigenes Netz für Smart-Home-Geräte: Wenn du Fernzugriff brauchst, hänge Kameras in ein getrenntes WLAN, etwa das Gast-WLAN deines Routers. So kommen sie nicht an deinen Computer heran.
  4. App-Rechte zurückdrehen: Mikrofon- und Standortzugriff abschalten, wenn du sie nicht brauchst.
  5. Blickwinkel bewusst wählen: Je weniger die Kamera sieht, desto weniger kann ein Angreifer sehen. Das hilft auch rechtlich, denn Gehweg und Nachbarn dürfen ohnehin nicht ins Bild (Überwachungskamera: Was ist erlaubt?).

Im Betrieb: dranbleiben

  • Updates sofort einspielen, am besten automatisch.
  • Smartphone und Router aktuell halten, mit starken Passwörtern und aktiver Firewall.
  • Kein öffentliches WLAN für den Kamerazugriff. Wenn doch, nur über ein VPN (mehr dazu im Artikel Öffentliches WLAN sicher nutzen).
  • Kamera vom Netz nehmen, wenn du sie gerade nicht brauchst.
  • Vorsicht bei E-Mails „vom Cloud-Anbieter“: Phishing-Mails geben sich gern als Kamera-Hersteller aus.

Neue EU-Regeln: Was das Cyberresilienzgesetz ändert

Mit dem Cyber Resilience Act (Verordnung (EU) 2024/2847) gelten für vernetzte Produkte schrittweise neue Pflichten. Seit dem 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken und schwere Vorfälle innerhalb von 24 Stunden melden. Ab dem 11. Dezember 2027 gelten die vollen Anforderungen, etwa „Security by Design“ und Cybersicherheit als Teil der CE-Kennzeichnung (BSI – Cyber Resilience Act). Bis dahin bleibt die Checkliste oben dein bester Schutz.

Fazit

Die meisten Kamera-Hacks scheitern an einfachen Dingen: ein eigenes Passwort, Zwei-Faktor, regelmäßige Updates und ein getrenntes WLAN. Achte schon beim Kauf auf lange Update-Zusagen und verschlüsselte Übertragung. Dann schützt die Kamera dein Zuhause, statt es offenzulegen.

Quellen

Stand: November 2026. Regeln und Fristen prüfen wir regelmäßig.